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Ohne Rick geht es mit "The Walking Dead" bergauf: So hat uns die erste Hälfte der 9. Staffel gefallen
Von Tobias Tißen — 28.11.2018 um 18:45
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Mit der Episode „Geflüster“ ging die erste Hälfte der neunten „Walking Dead“-Staffel zu Ende. Und nach zwei sehr enttäuschenden Seasons ist ein deutlicher Aufwärtstrend erkennbar – nicht zuletzt wegen eines drastischen Einschnitts.

AMC

Achtung: Spoiler zur ersten Hälfte der neunten Staffel „The Walking Dead“!

Es gab eine Zeit, da gehörte „The Walking Dead“ qualitativ zum Besten, was die internationale Fernsehlandschaft zu bieten hatte. Doch wie bei so vielen anderen Serien auch, konnte dieses hohe Niveau nicht gehalten werden, ab Staffel fünf ging es steil bergab. Den Tiefpunkt stellte schließlich die im Vorfeld von allen Beteiligten als spektakuläre „Kriegsstaffel“ ausgerufene achte Season dar. Längst war die Serie zur repetitiven Zombie-Seifenoper verkommen, die sich mehr durch dreist aufgebauschte Cliffhanger (#Dumpstergate) und ebenso nervige wie gesichtslose Nebenfiguren auszeichnete als durch mutige Entscheidungen, allgegenwärtige Gefahr und eine spannende Figurenkonstellation, all die Dinge, für die „The Walking Dead“ einst gefeiert wurde.

Darum ist "The Walking Dead" so schlecht geworden

Die Lust vieler Fans auf die mittlerweile neunte Staffel dürfte daher eher gering gewesen sein – wofür auch die immer weiter fallenden Quoten sprechen – und auch der Autor dieser Zeilen schaltete die Episode „Ein neuer Anfang“ im Oktober eigentlich nur noch aus Gewohnheit ein. Doch tatsächlich sollte sich der im Vorfeld der neuen Staffel vollzogene Wechsel des Showrunners von Scott M. Gimple zu Angela Kang auszahlen – in „The Walking Dead“ weht auf einmal nämlich unerwartet frischer Wind.

Tatsächlich "Ein neuer Anfang"?

Zwischen dem Ende der achten Staffel und dem Auftakt der neunten wurde innerhalb der Serie ein Zeitsprung von 18 Monaten vollzogen. In der Zwischenzeit errichteten die verbündeten Bewohner von Alexandria, Hilltop, Kingdom und Oceanside wieder so etwas wie eine Zivilisation, Pflanzen, Tiere und Menschen gediehen allem Anschein nach fleißig. Und allein die Entwicklungen, die sich in dieser Zeit ergeben haben, machten das Anschauen der ersten Episoden der neuen Staffel interessanter als das meiste, was Season acht so vor sich ging: Maggie (Lauren Cohan) ist zur unumstrittenen Anführerin der Hilltop-Kolonie aufgestiegen, was sie im Schlusspunkt der Auftaktepisode auch ein für alle Mal klarstellt. Die einst dem mittlerweile in einer Zelle einsam vor sich hin vegetierenden Negan (Jeffrey Dean Morgan) untergebenen Saviors rebellieren noch immer, wobei sie auf eine Guerilla-Taktik setzen, und außerdem scheint der stark ergraute Rick (Andrew Lincoln) wieder positiv in die Zukunft schauen zu können. So glücklich hat man ihn in acht Staffeln selten gesehen. Nach den ersten vier Episoden konnte man daher sagen, dass der angekündigte Neuanfang geglückt ist, wenn auch nicht ganz ohne Schattenseiten.

Denn auch wenn die Qualität im Vergleich zur vorherigen Staffel merklich gesteigert werden konnte, schlichen sich in den ersten vier Episoden von Staffel neun immer wieder altbekannte „Walking Dead“-Schwächen ein. So konnte man sich unter anderem des Seifenoper-Vibes nicht gänzlich entledigen, ein gutes Beispiel dafür ist die schmierig sexuell aufgeladene Turtelei zwischen Vater Gabriel (Seth Gilliam) und Anne alias Jadis (Pollyanna McIntosh) in Folge zwei.

Ein weiterer weiterhin vorhandener, „Walking Dead“-typischer Makel ist die Vorhersehbarkeit der meisten Spannungsmomente: In der Regel wirken diese wie Schritt für Schritt am Reißbrett konzipiert, wodurch nie (oder nur in den seltensten Fällen) ein Gefühl von Gefahr entsteht. Stattdessen wirken vor allem die Szenen mit den noch immer fantastisch widerlich aussehenden Zombies wie ein Akt der reinen Pflichterfüllung. Sie werden zur tödlichen Bedrohung, wenn es gerade erforderlich ist, fallen aber ansonsten wie die gebrechlichsten Eintagsfliegen.

Ricks Abflug als großer Wendepunkt

Doch mit der bereits weit im Vorfeld beworbenen fünften Episode „Wach auf“ gelangte die Serie schließlich endgültig an einen Wendepunkt – und der versprochene Neuanfang wurde eigentlich erst hier so wirklich vollzogen. Am Ende der Episode macht nämlich Rick Grimes im über die vorherigen Staffeln immer wieder angeteasten Helikopter einen Abflug. Doch nicht etwa der Verlust der Hauptfigur (die stattdessen bald in einer eigenen Film-Trilogie zu sehen sein wird) stellt den wegweisendsten Einschnitt dar, sondern vielmehr das, was danach passiert. Angela Kang und ihr Team vollziehen nämlich einen tatsächlich mal überraschenden und vor allem mutigen Schritt: Es kommt zu einem weiteren Zeitsprung, dieses Mal werden jedoch ganze sechs Jahre mit Hilfe eines Schnittes übersprungen. Und so ist die sechste Folge „Die Welt dreht sich weiter“ exakt das, was vielleicht schon der Staffelauftakt hätte sein sollen: Ein radikaler Neubeginn, mit dem ein Großteil der Altlasten über Bord geworfen und ein völlig neues Kapitel aufgeschlagen wird.

Mit neuen Figuren (Magna und ihre Gruppe) und alten Bekannten, die sich in den sechs Jahren jedoch grundlegend verändert haben (Carol), sowie neuen Problemen (abgekühltes Verhältnis zwischen Hilltop und Alexandria), Mysterien (die x-förmigen Narben) und Bedrohungen (die Whisperers) fühlt sich „The Walking Dead“ nun fast an wie eine grundlegend neue Serie. Diese zieht ihre Faszination zwar momentan noch zu großen Teilen daraus, dass wir sehen, wie die vergangene Zeit die Welt und ihre Einwohner verändert hat, doch scheint das Fundament für eine Zukunft, die rosiger ist als die nahe Vergangenheit, auf jeden Fall gelegt zu sein.

Fazit: Es geht bergauf!

Schlussendlich kann man mit der ersten Hälfte der neunten Staffel als „Walking Dead“-Zuschauer, der die Serie selbst durch ihre qualitativen Abgründe hindurch die Stange gehalten hat, nur zufrieden sein. Zwar konnte auch Neu-Showrunnerin Angela Kang nicht sämtliche Schwächen ausmerzen – in der neuesten Episode „Geflüster“ sorgten zum Beispiel die kindischen Possen einer Teenie-Bande um Carol- und Ezekiel-Zögling Henry (Matt Lintz) für ordentlich Fremdscham –, aber dafür wirkt „The Walking Dead“ endlich wieder frisch und man kann gespannt sein, was uns in Zukunft noch so erwartet. Der zuletzt höchst repetitive Kampf von Rick gegen Negan und vor allem auch gegen sich selbst ist zumindest endlich beendet.

Allein für den Mut, Hauptdarsteller Andrew Lincoln auf eigenen Wunsch ziehen zu lassen und zudem innerhalb einer Staffelhälfte siebeneinhalb Jahre Off-Screen verstreichen zu lassen, sollte man dem Kreativteam hinter „The Walking Dead“ Tribut zollen. Schließlich sinken die Einschaltquoten bereits seit Jahren und das Risiko, dass die Fans bei solch radikalen Einschnitten auf die Barrikaden gehen, war durchaus gegeben (und teilweise taten sie es auch). Ob jedoch auch das Ziel, „Walking Dead“ in neue und bessere Bahnen zu lenken, tatsächlich erreicht werden kann oder wir gerade nur ein kleines Zwischenhoch lobpreisen, wird man frühestens im April 2019 sagen können, wenn auch die zweite Hälfte der neunten Staffel ausgestrahlt wurde. Denn das bisher vielversprechend anmutende Fundament will vergoldet werden – und dazu benötigt es unbedingt eine zumindest gleichwertige Weiterführung der nun etablierten Ereignisse.

Aber schon der schockierende Cliffhanger am Ende der achten Episode, mit dem die neuen Antagonisten endgültig eingeführt wurden, verspricht einiges – ebenso wie der Trailer zu den acht noch ausstehenden Folgen, den ihr euch unten anschauen könnt. Der Autor dieser Kritik ist damit zum ersten Mal seit dem Beginn von Staffel sieben wieder wirklich neugierig, wie es bei „The Walking Dead“ weitergeht und würde jetzt gerne ebenfalls einen Schnitt setzen und nach einem Zeitsprung am 10. Februar 2019, wenn es mit Episode neun weitergeht, wieder einsteigen. Und ist damit sicher nicht der Einzige.

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