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Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt
Kritik der mediatelsupport.com-Redaktion
3,5
gut
Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt

Ein Augenschmaus im Kino

Von
Mit dem 2010 erschienenen „Drachenzähmen leicht gemacht“ lieferten die Regisseure Dean DeBlois und Chris Sanders einen der visuell beeindruckendsten Animationsfilme aller Zeiten ab. Dass es dafür nicht den Oscar als verdiente Krönung gab, lag allein daran, dass mit „Toy Story 3“ im selben Jahr ein inhaltlich noch etwas ambitionierterer Film erschien. Trotzdem entwickelte sich die Buchreihe um Wikinger und ihre Drachen zum Animationsfranchise – und zwar nicht nur um Kino, sondern auch im TV: Nach dem obligatorischen Sequel „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ von 2014 folgten noch zahlreiche Kurzfilme sowie eine Serie, die zwischen den ersten beiden Kinofilmen spielt und inzwischen satte achte Staffeln umfasst.

Aber alles kommt mal zu einem Ende. Die Serie, die als „Drachenreiter von Berk“ zuerst bei Cartoon Network und Super RTL zu sehen war, und ab der dritten Season als „DreamWorks Dragons“ bei Netflix verfügbar ist, wurde 2018 beendet. Und mit „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ kommt nun auch das große Leinwand-Finale ins Kino. Ein letztes Mal müssen Wikinger Hicks und sein Nachtschatten Ohnezahn das Überleben der Drachen sichern. Angereichert mit reichlich Romantik (zwischen Drachen und zwischen Menschen) setzt Regisseur DeBlois dabei zwar etwas zu sehr auf eine Wiederholung der Adoleszenz-Thematik des Vorgängers, erschafft dabei aber erneut einen atemberaubenden Augenschmaus.

Seit dem Tod seines Vaters ist Hicks (Stimme im Original: Jay Baruchel / in der deutschen Fassung: Daniel Axt) der neue Anführer der Wikinger von Berk. Mit seinen Freunden, seiner Mutter Valka (Cate Blanchett / Martina Hill) und vor allem seinem besten Freund Ohnezahn befreit er immer mehr Drachen aus der Gefangenschaft, was aber auch zu Problemen führt: In Berk leben mittlerweile so viele Drachen, dass es kaum mehr Platz gibt. Und all den Drachenfängern sind Hicks und Co. natürlich ein Dorn im Auge. Daher soll der finstere Drachentöter Grimmel (F. Murray Abraham / Lutz Riedel) für sie das Problem Hicks erledigen und er weiß, dass nur Ohnezahn der Schlüssel dazu sein kann. Nach einem ersten Angriff von Grimmel trifft der junge Wikinger-Anführer eine folgenschwere Entscheidung: Er beschließt, mit seinem Volk die Heimat zu verlassen und nach einer sagenumwobenen geheimen Welt zu suchen, in der Menschen und Drachen versteckt vor der Öffentlichkeit in Frieden leben sollen. Doch er ahnt nicht, dass er Grimmel damit nur in die Karten spielt und dieser auch noch ein As im Ärmel hat: Er nutzt einen weiblichen Nachtschatten, um Ohnezahn den Kopf zu verdrehen und so von seinem Freund zu entzweien...


Dass nach dem großen Zeitsprung von fünf Jahren zwischen den ersten beiden Filmen dieses Mal nur ein einzelnes Jahr vergangen ist, wird nicht nur direkt aus dem Off erzählt, sondern auch in der Figurenentwicklung des Protagonisten deutlich: Hicks ist zwar nun der Anführer der Wikinger von Berk, steht aber halt immer noch an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Die zentralen Konflikte ähneln daher (etwas zu sehr) denen des Vorgängers. In „Drachenzähmen leicht gemacht 2“ fühlte er sich nicht geeignet, die Nachfolge seines Vaters anzutreten. Nun ist er zwar gezwungenermaßen der neue Anführer, glaubt aber immer noch nicht an seine Fähigkeiten. Einige Elemente fühlen sich daher etwas repetitiv an – was zum Teil auch an der Figur des Bösewichts liegt. Grimmel ist zwar per se ein starker, angsteinflößender Antagonist, aber im Wesentlichen auch eine Wiederholung von Drago Blutfaust aus dem zweiten Teil – es wird halt nur, wie es sich für ein Sequel gehört, noch einer draufgesattelt: Grimmel will Ohnezahn und Co. diesmal nicht wie Blutfaust einfach nur fangen, sondern töten. Und die Drachen unter seiner eigenen Kontrolle hat er dazu auch noch „gedopt“.

Die fehlende erzählerische Innovation sorgt zwar dafür, dass „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ wie auch schon der direkte Vorgänger nicht an die Klasse des ersten Teils heranreicht, aber ein guter Film, den man unbedingt im Kino sehen sollte, ist es trotzdem: Schließlich übertreffen sich Regisseur DeBlois und sein Team in Sachen visueller Brillanz erneut – und zwar bis in den Abspann hinein, in den, was keine Selbstverständlichkeit ist, auch die deutschen Synchronsprecher richtig integriert wurden. Der eröffnende Angriff von Hicks und seinen Freunden auf ein Drachenjägerschiff ist herausragend inszeniert. Über weite Strecken sogar ohne Schnitt entfaltet sich direkt zum Auftakt ein großes Action-Stück: Es duellieren sich an verschiedenen Orten gute und böse Wikinger, die Drachen setzen zu ihren mächtigen Angriffen an oder werden aus Käfigen befreit. Diese Sequenz kann sich ganz locker mit Realfilm-Highlights des vergangenen Kinojahres wie der ähnlich schnittlos zwischen verschiedenen Schauplätzen wechselnden Sizilien-Dächer-Verfolgungsjagd in „Aquaman“ messen. Dazu passen die perfekt getimten humorvollen Einschübe wie zum Beispiel ein Running Gag um den einen Baby-Drachen mitschleppenden Fischbein (Christopher Mintz-Plasse / Hannes Maurer).

Dass „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ schon jetzt zu den visuellen Highlights des Kinojahres 2019 gehört, macht auch die auf den Auftaktüberfall folgende Rückkehr nach Berk deutlich: Der Himmel ist voll von den verschiedensten Drachenarten – ein sensationeller Anblick und dabei nur ein Vorgeschmack auf die prächtigen Bilderwelten, die später auf der Reise der Wikinger noch kommen werden, auf die wir hier aber aus Spoilergründen nicht weiter eingehen wollen. Einen Anteil daran dürfte übrigens auch Roger Deakins haben: Der bereits 13 Mal für den Oscar nominierte und zuletzt für „Blade Runner 2049“ endlich prämierte Kameragott war schon bei den Vorgängern als „visueller Berater“ mit an Bord. Vor allem bei der Be- und Ausleuchtung einzelner Szenen brachte sich der auch als „Meister über Licht und Schatten“ bekannte Deakins ein - und wie wichtig genau dieser oft unterschätzte Aspekt ist, beweist „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ erneut eindrucksvoll.

Daneben besticht „Drachenzähmen leicht gemacht 3“ durch seine immense Detailverliebtheit (es lohnt sich darauf zu achten, wie Hicks‘ Mannwerden durch leicht zunehmende Bartstoppeln illustriert wird) und jede Menge Humor für alle Altersklassen. Während es bei der Liebesgeschichte von Hicks und seiner Astrid (America Ferrera / Emilia Schüle) und der Frage, ob die beiden nicht endlich heiraten müssen, ein wenig dauert, bis die Macher den richtigen Ton treffen, sind die Flirts zwischen Nachtschatten Ohnezahn und einem strahlend weißen Tagschatten von der ersten Sekunde an romantisch und komisch. Seine Tollpatschigkeit und ihre Eleganz werden nicht nur wunderbar als Gegensätze positioniert, sondern auch illustriert: Die Mimik von Ohnezahn, dem eigentlichen Star der Reihe, ist im dritten Kinofilm so gut wie nie zuvor. Und so hilft diese visuelle Brillanz gepaart mit der rührenden Komik immer wieder über kleine inhaltliche Schwächen hinweg. Wer sich gerade noch wundert, warum hier selbst der eigentlich zentrale Konflikt über das Zurücklassen der vom Vater anvertrauten Heimat doch recht beiläufig abgehandelt wird, der bekommt in der nächsten Szene so viel zu Staunen und/oder zu Lachen, dass er diesen Vorbehalt direkt wieder vergisst.

Fazit: „Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt“ ist trotz erzählerischer Schwächen ein berührend humorvolles und visuell herausragendes Trilogie-Finale.
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